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Blasensteinen beim Kaninchen


Unser Patient


Unser Patient ist ein Zwergkaninchen, 2 Jahre alt und männlich-kastriert.

Die Besitzerin kam mit dem Kaninchen zu uns in die Sprechstunde und berichtete über beobachtete Probleme. Ihr war aufgefallen, dass das Kaninchen seit einiger Zeit den Anogenitalbereich immer nass verklebt hatte, und sie beobachtete es ab und zu bei dem Versuch Urin abzusetzen, zum Teil ohne Erfolg und teilweise auch mit Schmerzäußerungen. Es machte einen schlapperen Eindruck als sonst.


Bei der Untersuchung stellte sich die Blase klein und hart dar. Der Urin war rötlich gefärbt und sehr streng im Geruch. Die weiterführende Untersuchung des Urins bestätigte den Verdacht einer Blasenentzündung. Zusätzlich wurde eine Röntgenaufnahme des Bauchraumes angefertigt, um abzuklären, ob die vorliegende Blasenentzündung ursächlich auf Harnsteine in der Blase zurückgeführt werden kann.


Auf dem Röntgenbild ließ sich ein isolierter Blasenstein darstellen.


Ursache für die Bildung von Blasensteinen beim Kaninchen


Kaninchen neigen zur Bildung von Konkrementen in den Harnorganen, in der Regel durch eine fütterungsbedingte Stoffwechselstörung. Kaninchen besitzen einen speziellen Kalziumstoffwechsel. Kalzium wird im Darm nicht nach Bedarf, sondern im Überschuss aufgenommen. Überschüssiges Kalzium wird fast ausschließlich über die Niere ausgeschieden. Zusätzlich begünstigt der basische pH-Wert des Urins die Ausfällung von Kalziumkristallen.


Es erkranken vor allem Kaninchen, die große Kalziummengen mit dem Futter erhalten und Tiere, die nicht ausreichend mit Flüssigkeit versorgt werden. Am häufigsten werden Blasen- und Harnröhrensteine sowie Harngrieß diagnostiziert. Sowohl Steine als auch Grieß führen zu Reizungen an der Blasenschleimhaut und in Folge entstehen Entzündungen mit sekundärer bakterieller Besiedlung.


Rutschen Konkremente in Richtung Blasenhals oder Harnröhre ab, so wird der Harnabsatz erschwert oder sogar unterbunden.


Symptome


Die Symptome, die Kaninchen bei Blasensteinen zeigen, gleichen denen der Blasenentzündung: häufiger und schmerzhafter Urinabsatz, z.T. dauerhaft tröpfelnd, eine urinverschmierte Anogenitalregion, das Hinterteil wird beim Urinabsatz angehoben. Der Urin kann rötlich gefärbt sein und streng riechen. Das Allgemeinbefinden ist häufig gestört. Es kann soweit gehen, dass die Tiere das Fressen einstellen.


Beim Durchtasten stellt sich die Blase klein dar.


Ist die Harnröhre durch Konkremente verlegt, kann sich die Blase aber auch gut gefüllt und prall darstellen, da der Urin nur schwer abgesetzt werden kann. In diesem Fall kann die Anogenitalregion ödematös anschwellen.Im Fall von Blasengrieß ist der Urin gelb-bräunlich bis gelb-gräulich gefärbt und von schlammiger Beschaffenheit. Die Blase fühlt sich beim Durchtasten teigig an.


Diagnose


Die Diagnose lässt sich anhand einer Röntgenaufnahme stellen. Durch den hohen Kalziumgehalt der Steine lassen sich diese röntgenologisch immer darstellen.


Therapie


Die Blasenentzündung wird mit Antibiotika, Schmerzmitteln und gegebenenfalls mit Infusionen behandelt. Kleine Steinchen können unter der Zystitisbehandlung die Blase oft auf natürlichem Wege über die Harnröhre verlassen. Größere Konkremente müssen operativ aus der Blase entfernt werden.


Prophylaxe


Zur Vorbeugung sollte dringend die Fütterung überprüft und gegebenenfalls korrigiert werden.


Kalziumhaltige Futtermittel sollten reduziert werden.(z.B. Kohlrabiblätter, Kräuter, Broccoli, Luzerneprodukte wie Luzerneheu und „Grünrollis“).


Stattdessen viel Frischfutter mit hohen Wassergehalten.(z.B. Salate, Tomate, Gurke).


Eventuell kalziumarmes stilles Mineralwasser verwenden.


Mit Vitamin C-Gaben kann man den pH-Wert absenken und somit einer Ausfällung von Konkrementen vorbeugen. Als Dauermedikation sollte Vitamin C mehrmals täglich verabreicht werden.Der Kalziumbedarf darf aber auch nicht unterschritten werden. Dies führt unter anderem zu einer Verschlechterung der Zahnqualität.


Empfohlene Rationszusammensetzung für Kaninchen:

  • Heu ad libitum

  • Frischfutter 2x täglich: Strukturiertes Grünfutter (Gras, Kräuter, Löwenzahn, Möhrengrün,...) 1/3 – 2/3 der Ration Gemüse (Möhre, Kohlrabi, Broccoli, Sellerie, ...) 1/3 der Ration Obst (Apfel, Birne, Banane,...) Max. ¼ der Ration Salate

  • Pelletiertes Alleinfutter maximal 1 Esslöffel pro kg Körpergewicht pro Tag!!!

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